• BERNHARD CLASEN • |
16.9.2008:
Georgiens Botschafter in Litauen:
"Bald wird die georgische Fahne wieder auf dem Verwaltungsgebäude von Zchinwali wehen"
Georgiens Botschafter in Litauen, Georgij Kerdikoschwili, nimmt kein Blatt vor den Mund. Kürzlich stellte er sich dem litauischen Internet-Portal „delfi.lt“ für ein Online-Gespräfdh zur Verfügung. Und für ihn ist klar, wie die nahe Zukunft Südossetiens und Abchasiens aussehen wird. „Bald wird die georgische Flagge auf dem Gebäude der Verwaltung von Zchinwali und aller anderer Städte Georgiens wehen“ gab Kerdikoschwili einem Frager zur Antwort, der wissen wollte, wann Georgien seinen heldenhaften Vormarsch auf Zchinwali wiederholen werde. Inzwischen habe die Welt verstanden, so Georgiens Botschafter, dass die Situation von Russland provoziert gewesen sei, um zu verhindern, dass Georgien die russische Einflusssphäre verlasse. Dass Tbilisi nicht von russischen Truppen okkupiert worden sei, sei nur den Staatschefs zu verdanken, die direkt nach Tbilisi gereist wären. Derzeit, so der Botschafter, seien keine normalen Beziehungen zu Russland möglich. In Russland gebe es keine freien Wahlen, keine demokratische Regierung. Das „russische Regime“, so der Botschafter, sei einem faschistischen sehr ähnlich.
Ganz anders sieht Schalwa Natelaschwili, einer der georgischen Oppositionsführer, die Lage. Abchasien und Südossetien seien nach den Ereignissen vom August für immer für Georgien verloren, wird er von der russischen Nachrichtenagentur „Rosbalt“ zitiert.
Natelaschwili geht davon aus, dass man auch in anderen Regionen Georgiens mit separatistischen Entwicklungen rechnen müsse. Dies gelte insbesondere für Dschawachetien, wo eine große armenische Volksgruppe lebt, Kwemo Kartli, das von Aserbaidschanern besiedelt wird und Adscharien. Eine explosive Entwicklung in diesen Gebieten ließe sich nur verhindern, wenn Saakaschwili gehe, so Natelaschwili im Gespräch mit „Rosbalt“.
Kritisch äußert sich Natelaschwili auch zu den Forderungen georgischer Politiker nach einem NATO-Beitritt des Landes. „Wer jetzt weiterhin schreit, man solle der NATO beitreten, wird ein Feind Georgien sein, haben wir doch gerade aufgrund dieses Bestrebens unsere Gebiete verloren“ so der Oppositionsführer zu der Fernsehstation „Kavkasia“.
Georgiens frühere Parlamentssprecherin Nino Burdschanadse will von den Machthabern in Georgien wissen, ob es nicht möglich gewesen sei, den Krieg mit Russland zu verhindern.
Unterdessen wollen sich georgische Oppositionsgruppen bis Montag entscheiden, ob sie Neuwahlen für Parlament und Präsidentenamt fordern werden. Auch Anhänger des derzeit im französischen Exil lebenden ehemaligen georgischen Verteidigungsministers Irakli Okruaschwili beteiligen sich an diesen Gesprächen der georgischen Opposition.
David Gamkrelidze, Vorsitzender der Partei „Die neuen Rechten“ hatte bereits in den vergangenen Tagen den Rücktritt von Michail Saakaschwili gefordert.
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